Samstag, 17. April 2010

Pekuniäres aus Potsdam



Inzwischen fand die 16. Sitzung der
Deutsch-Russischen Regierungskommission für die Angelegenheiten der Russlanddeutschen statt. Vertreter der russischen und der deutschen Regierung sowie Vertreter verschiedener russlanddeutscher Organisationen aus Deutschland und Russland trafen sich diese Woche in Potsdam und schnürten ein Förderpaket von ca. 10 Mio. Euro zur "Stabilisierung der Lebens-und Zukunftsperspektiven" der Russlanddeutschen in Russland. Mehr dazu in der Pressemitteilung des BMI:

Bei der diesjährigen Zusammenkunft der Deutsch-Russischen Regierungskommission vom 14. bis 16. April 2010 in Potsdam wurden umfangreiche Fördermaßnahmen für die Russlanddeutschen in der Russischen Föderation vereinbart. Dies verkündeten die beiden Co-Vorsitzenden der Kommission, der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten und Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, Dr. Christoph Bergner, und der stellvertretende Minister für Regionalentwicklung der Russischen Föderation, Maxim A. Trawnikow, am Freitag in Potsdam.

Siehe gesamte Pressemitteilung des BMI zum Treffen in Potsdam.

Das Foto oben zeigt Maxim A. Trawnikow (rechts) und Dr. Christoph Bergner bei der Unterzeichnung des aktuellen Förderabkommens. Dieser Schnappschuss stammt von Elena Bechtold, der Vorsitzenden des JSDR.

Sonntag, 6. Dezember 2009

Walle Walle RD-Welle



Die Russlanddeutschen machen Radio im Internet! Natürlich gibt es schon länger PodCasts oder Ähnliches im weltweiten Netz der Russlanddeutschen oder Russlandmennoniten - aber bisher wohl kaum mit der globalen Idee: Radio von Russlanddeutschen für Russlanddeutsche in Russland und Deutschland gemeinsam hergestellt. Also eine russlanddeutsche Welle im Radio, während auch Nicht-Russlanddeutsche laut Aussagen der Macher von RD-Welle ausdrücklich dazu eingeladen sind, mitzumachen und mitzuhören. Und sie sind ja glücklicherweise auch längst schon dabei.

Die erste Radiosendung ist bereits online. Wer neugierig ist, sollte unbedingt mal reinklicken und reinhören bei RD-Welle im Informationsportal RusDeutsch. Die russlanddeutsche Organisation IVDK (Moskau) hatte im Rahmen eines Internetseminars jetzt im Dezember eine Radio-Expertin eingeladen: Gemeinsam mit den Seminarteilnehmern aus ganz Russland und Deutschland hat Larissa Chudikowa (Лариса Худикова), die für die Moskauer Deutsche Zeitung arbeitet, diese erste Sendung hergestellt. Sowohl die Idee als auch das bisherige Ergebnis sind meiner Meinung nach eine wirklich gute und sinnvolle Sache. Hier werden dem Hörer nicht nur geographisch und inhaltlich die Russlanddeutschen nähergebracht. Radiosendungen dieser Art könnten auch dazu beitragen, dass die Russlanddeutschen in Russland und ihre Freunde und Verwandten in Deutschland bei ihren Aktivitäten und Projekten etwas mehr zusammenrücken.

Wäre doch nicht schlecht, oder?

Bei dem Namen RD-Welle muss ich komischerweise an den Zauberlehrling von Goethe denken. Aber Dinge, die man aus der Hand gibt, oder die eine nicht mehr kontrollierbare Eigendynamik entwickeln, die müssen doch nicht zwangsläufig in die Hose gehen!? Ich wünsche dem russlanddeutschen Radio, gemacht von wem auch immer, viele Freunde und Förderer!

Apropos Goethe: Das Goethe-Institut Moskau hat das Internetseminar finanziell gefördert - und damit eine längst fällige Sache mit auf den Weg gebracht. Ich wünsche den Organisationen wie IVDK, Landsmannschaft der Deutschen aus Russland und allen ihren Partnern eine immer bessere Zusammenarbeit - auch wegen solchen hübschen Dingen wie RD-Welle:

Первая передача интернет-радио портала RusDeutsch RD-Welle

Bei RusDeutsch.eu (bzw. RusDeutsch.ru) findet man inzwischen ein breitgefächertes Angebot an Informationen zu den Russlanddeutschen in Russland und weltweit. Auf Russisch und auf Deutsch. Fast täglich werden Einträge ergänzt, neben redaktionellen Textbeiträgen gibt es Audio- und Video-Mitschnitte, Online-Datenbanken und einiges mehr. Das RD-Welle-Podcasting wird hoffentlich ein fester Bestandteil dieser Plattform werden. Die gute Qualität dieser Seiten ist vor allem auch das Verdienst der Redakteurin Dr. Olga Silantieva (Ольга Силантьева, Foto).

Samstag, 14. November 2009

Alex Wiens




Der Mord-Prozess in Dresden hat international für Aufsehen und Aufregung gesorgt: Marwa el-Sherbinis Mörder ist nun diese Woche zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Auch meiner Meinung nach das Mindestmaß an Strafe für eine so grausame Tat. Dass der 28-jährige Rassist und Frauenfeind russlanddeutscher Aussiedler ist und dazu auch noch Wiens heißt, hat mich zusätzlich geschockt. Ich schäme mich für den Rassenhass "unter uns" und bin unendlich traurig darüber...

Hier einige Links zum Thema:
Lebenslänglich für Alex Wiens, stern.de
Marwa El-Sherbini, Wikipedia, mit vielen weiterführenden Links
Friede wird viele zerstören, blogspot.com

Zum Foto oben: Dr. Katharina Neufeld (Direktorin des Museums für russlanddeutsche Kulturgeschichte, Detmold) im Gespräch mit Dr. Stefan Müller (Leiter des Instituts für Migrations- und Aussiedlerfragen, Oerlinghausen) während des 3. Integrationskongresses OWL in Lemgo diesen Dienstag. Ich stand dabei und hörte, wie Katharina ihr Bedauern darüber zum Ausdruck brachte, dass die Russlanddeutschen in den Medien unglücklicherweise vor allem dann auftauchen, wenn sich da jemand mal wieder von seiner dunkleren Seite zeigt, wie in diesem Mord-Prozess, während es doch so viele positive Beispiele gäbe. Es werde ein einseitig negatives Bild vermittelt, das die Gesamtheit der Russlanddeutschen in ein falsches Licht rückt. Zum Zeitpunkt dieses Gesprächs fühlte ich mich selbst noch nicht sehr berührt. Als ich diese Woche dann aber erfuhr, dass "Alex W." für "Alex Wiens" steht, fühlte ich mich wirklich schlecht, fast schon mitschuldig...

Wiens ist einer der häufigsten Namen bei den Russlandmennoniten und auch der Name des Protagonisten in Rudy Wiebes Roman Friede wird viele zerstören. Dass Rudy Wiebe gerade in Deutschland auf Lesereise ist, sieht man auch auf dem Plakat, das zwischen Müller und Neufeld an der Wand hängt (siehe Foto oben).